Gedenkstätte in Oradour sur Glane, ein Besuch

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Gedenkstätte in Oradour sur Glane, ein sehr emotionaler Besuch

Die Gedenkstätte in Oradour sur Glane, 22 km nordwestlich von Limoges, war für uns eine Begegnung, die hängen bleibt und vermutlich nicht vergessen wird. In Frankreich kennt den Ort fast jeder. In Deutschland ist das zentralfranzösische Dorf Oradour-sur-Glane hingegen vielen Menschen kein Begriff.

Es war ein sehr beklemmendes Gefühl, durch dieses zerstörte Dorf zu gehen, und zu wissen, dass hier am 10. Juni 1944 von der Waffen SS 642 Menschen ermordet wurden. Allem Anschein nach ging es nicht nur uns so, denn niemand der hier lang lief sprach laut, alberte mit den Kindern oder war am lachen. Es herrschte also eher eine andächtige,  ruhige Stimmung, egal welcher Nationalität die Besucher auch waren.

Gedenkstätte in Oradour sur Glane
Eingangsbereich der Gedenkstätte in Oradour sur Glane

Wenn wir mit unserem Wohnmobil unterwegs sind, stehen selbstverständlich Besichtigungen und Kultur mit auf dem Plan. So auch dieser historische Ort als Schandfleck der deutschen Geschichte.

Kurz ein historischer Abriss dessen, was dafür sorgte, dass dieser Ort ungewöhnlicherweise in seiner Gesamtheit zu einer Gedenkstätte erklärt wurde.

Massaker in Tulle

Am 6. Juni 1944 begann im Norden Frankreichs die Invasion der Alliierten um Europa von den Nazis zu befreien (D-Day). Aus diesem Grund wurde die in Südwestfrankreich stationierte 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ nach Norden verlegt.  Auf ihrem Weg dorthin haben diese SS-Männer verschiedene Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung begangen, als Rache auf die ständigen Attacken der Résistance.

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So haben Mitglieder dieser Einheit am 9. Juni 1944 in der Stadt Tulle  99 Zivilisten erhängt, weil sich Résistance-Kämpfer Tage zuvor gegen die deutschen Besatzer zur Wehr setzten. Die französischen Widerstandskämpfer waren im Glauben, dass ihre Aktionen gegen die Besatzer nach dem D-Day eine Signalwirkung haben könnten, für einen wachsenden französischen Widerstand.

Die deutschen Besatzer antworteten mit brutalster Gewalt.

Einen Tag später das Massaker in Oradour-sur-Glane

Einen Tag später erreichte die SS-Division den etwa 100 Kilometer entfernten Ort Oradour-sur-Glane.

Ein Hinterhof im Dorf

Der Offizier namens Adolf Diekmann ließ die unbewaffneten Bewohner des Dorfes auf dem Place du Champ de Foire zusammentreiben. Die anwesenden Männer wurden in fünf Gruppen unterteilt und zunächst in Scheunen eingesperrt. Die SS-Chargen eröffneten das Feuer auf sie.  Anschließend haben sie die Scheunen angezündet.

Die Frauen und Kinder wurden in die Dorfkirche gesperrt. Die Soldaten zündeten eine Rauchbombe am Altar um die Menschen zu vergasen.  Einige der Eingeschlossenen versuchten sich in Sicherheit vor dem beißenden Qualm zu bringen. Sie wurden erschossen. Anschließend wurde das gesamte Kirchengebäude in Brand gesteckt. Wer noch nicht tot war verbrannte lebendig. Insgesamt haben die Nazis an diesem Tag 642 Menschen massakriert.

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Nach dem Massaker plünderten die SS-Soldaten die Wohnhäuser und steckten das gesamte Dorf in Brand um möglichst keine Spuren für dieses Kriegsverbrechen zu hinterlassen.

Nur sehr wenige Einwohner von Oradour überlebten. Fünf Männer und eine Frau. Ein Überlebender ist der noch lebende Zeitzeuge Robert Hébras

Am 28. November 1944 beschloss die Provisorische Regierung, die Ruinen zu klassifizieren und zu erhalten. Die Ruinen des Märtyrerdorfes wurden 1946 als historisches Denkmal eingestuft. Bis heute blieb der Ort, wie ihn die SS am Abend jenes Tages verlassen hatte. Ein starkes Symbol gegen das eintretende Vergessen!

Wenn auch nicht angenehm, lohnt ein Besuch

Der Besuch dieser Gedenkstätte ist kostenlos und jeder, der sich in der näheren Umgebung befindet, sollte sie besuchen! Es wird sicherlich ein Eindruck bleiben, der keine schöne Erinnerungen hinterlassen wird. Denn, wenn man das alte Ruinen-Dorf besucht, spürt man an jeder Ecke, wie brutal und skrupellos Menschen sein können, und wie überflüssig und dumm Krieg ist. Auch wenn dieses Massaker mittlerweile 76 Jahre her ist, spürt man an dieser Gedenkstätte in Oradour sur Glane die Vergangenheit sehr nah.

Ich denke wir haben uns hier annähernd  2,5 – 3  Stunden aufgehalten. Es ist

verbrannte Gegenstände des täglichen Bedarfs
verbrannte Gegenstände des täglichen Bedarfs

keinesfalls der Ort durch den man hindurch hecheln sollte. Auch der Friedhof im Norden sollte nicht vergessen werden. Es ist erschreckend zu sehen, wie viele Familien hier das gleiche Todesdatum haben. Auf dem Weg dort hin geht man über einen Platz  mit einem Denkmal, der zum Teil unterkellert ist. Hier befinden sich viele Ausstellungsstücke des täglichen Lebens (geschmolzenen Uhrwerke, Brillen, Geschirr, Spielsachen etc.), die im Detail veranschaulichen, was hier an diesem Ort Grausames passiert ist. Gleichzeitig gibt es auch einen Einblick in das tägliche Leben.

Gedenkstätte In Oradour sur Glane, Spielzeug
Spielzeug, Mundharmonika

Wer auch noch die Ausstellung bzw. das Museum besichtigt, muss entsprechend mehr Zeit mitbringen. Über das Museum kann ich mich nicht äußern. Wir haben es uns nicht angesehen, da wir uns mehrere Bücher gekauft hatten. Wir wollten uns später nochmals in Ruhe über das Massaker von Oradour sur Glane informieren.

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In den 1950ern  entstand ein neuer Ort

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Der neue aufgebaute Ort, bei dem sich auch ein Wohnmobil-Stellplatz befindet, wurde in den 1950er-Jahren in direkter Nähe neu aufgebaut. Leider besitzt dieser neue Ort nicht besonders viel Charme im Vergleich zu wirklich alten Dörfern mir gewachsenen Strukturen. Man merkt leider, das dieser Ort vermutlich aus der Not heraus schnell aus dem Boden gestampft wurde. Immerhin gibt es einen Bäcker und ein wenig Gastronomie gibt es auch. Über den durchaus  zweckmäßigen Stellplatz, der sich am Ortsende befindet, habe ich bereits etwas geschrieben.

Fotos, die nur ein wenig das beklemmende Gefühl wiederspiegeln können, das sich bei uns vor Ort eingestellt hatte.

 

Wie komme ich hin?

GPS-Daten:

Breitengrad 45.929140
Längengrad 1.035593

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Gedenkstätte Oradour sur Glane

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Gedenkstätte Oradour sur Glane 45.929058, 1.035515 Eingangsbereich zur Gedenkstätte in Oradour sur Glane

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